Tagebuch der Unrast

Zwischen Dämmerung und Papier entstehen meine Welten
Romane, die sich wie Träume anfühlen. Gedanken, die nachhallen. Geschichten, die fragen, was bleibt.
Ich schreibe, weil Worte manchmal näher an der Wahrheit sind als das, was wir sehen.
Meine Geschichten bewegen sich zwischen dystopischer Klarheit und traumhafter Unschärfe. Ich liebe das Unerklärliche – und die Momente, in denen Sprache plötzlich etwas sichtbar macht, das vorher nur Gefühl war.
Wenn du zwischen den Zeilen gern wanderst: Willkommen. Du findest hier Kurzgeschichten, Auszüge und Arbeitsversionen meiner Romane.
Der Strandkorb und das Meer
Ich atme tief ein. Salz, Tang, ein Hauch von Sonnencreme, den der Wind von irgendwoher trägt. Es ist gut hier. Es ist ruhig. Und in dieser Ruhe liegt diese leichte Melancholie, dieses Wissen, dass der Moment gleich vorbei ist. Aber er war da. Und das ist alles, was zählt. Ich lasse meinen Blick über das weite, unendliche Blau gleiten. Ein paar Bojen tanzen draußen, kleine, weiße Punkte. Sie markieren etwas, das ich nicht sehen muss. Ich sehe nur das Meer. Und das reicht. Immer.
Mit Claire nach Saint-Malo
Der Motor schnurrt leise, ein tiefes, gleichmäßiges Brummen, das mich seit Stunden begleitet. Ich sehe ihre Füße. Sie liegen da, auf dem Armaturenbrett, nackt, die Zehen leicht gespreizt, der Nagellack ein sattes, fast unverschämtes Kirschrot. Ein kleiner, goldener Ring steckt am zweiten Zeh des rechten Fußes. Es ist so eine typische Geste von ihr, diese Lässigkeit, die jede Konvention ignoriert.
Marie ist wieder da
Der Stein ist kalt. Das ist das Erste, was ich denke, als ich meine Hand auf den Rand des Brunnens lege. Die Feuchtigkeit kriecht sofort in die Fingerspitzen, eine ehrliche, raue Kälte, die nichts beschönigt. Ich stehe hier, mitten auf diesem Kopfsteinpflaster, das...
Moguéran
Ich sitze hier. Der Stuhl ist hart, das Tischtuch blendend weiß. Ein absurder Kontrast zu dem, was drumherum passiert. Die Sonne, dieser orangefarbene Klotz, versinkt gerade im Meer, zieht das ganze Wasser mit sich in diesen irren, goldenen Sog. Es ist lautlos, aber...
Im Le Petit Rien
Der Rauch hängt. Er steht wie eine milchige Wand zwischen mir und dem Rest der Welt, genau hier, in diesem Le Petit Rien. Ein passender Name, wie ich finde. Das kleine Nichts. Ich sitze auf der Bank, das dunkle Holz knarrt leise unter meinem Gewicht. Es riecht nach...
Marie geht
Der Himmel ist ein einziger, schwerer, dunkelgrauer Mantel, der über diesem Hafen hängt. Er drückt die Luft zusammen, macht sie salzig und kalt. Ich stehe hier, an der Kante des Kais, und sehe zu, wie sie geht.
Der Morgen danach
Der Wind ist kalt, aber die Sonne brennt. Ein typischer Morgen hier, denke ich. Ich sitze am kleinen, runden Korbtisch, der noch nass vom Morgentau ist. Die Gabel liegt neben der Serviette, unberührt. Ich bin zu früh, wie immer. Beobachter. Das ist mein Job, mein Fluch.
Die Stufen von Montmartre
Die Stufen sind nass. Ein feiner, kaum sichtbarer Nieselregen hat sich über die Stadt gelegt, der die Lichter der Laternen in lange, zitternde Streifen auf dem Stein zerfließen lässt. Es riecht nach feuchtem Asphalt und dem süßlichen Duft von nassem Laub, der aus irgendeinem Hinterhof herüberweht. Ein typischer Abend.







