Tagebuch der Unrast

Alexander Strasser

Zwischen Dämmerung und Papier entstehen meine Welten

Romane, die sich wie Träume anfühlen. Gedanken, die nachhallen. Geschichten, die fragen, was bleibt.

Ich schreibe, weil Worte manchmal näher an der Wahrheit sind als das, was wir sehen.
Meine Geschichten bewegen sich zwischen dystopischer Klarheit und traumhafter Unschärfe. Ich liebe das Unerklärliche – und die Momente, in denen Sprache plötzlich etwas sichtbar macht, das vorher nur Gefühl war.
Wenn du zwischen den Zeilen gern wanderst: Willkommen. Du findest hier Kurzgeschichten, Auszüge und Arbeitsversionen meiner Romane.

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Der Morgen

Der Morgen begann nicht

Der Morgen begann nicht, er stürzte ein.

Als Paul die Augen öffnete, war das Zimmer schon gegen ihn. Das Licht, das durch die Gardine sickerte, hatte die Farbe von abgestandenem Spülwasser, und irgendwo in der Wand tickte etwas, das keine Uhr war. Sein Wecker lag auf dem Boden, verstummt wie ein erschossenes Tier. 7:43. Er hätte um sieben im Büro sein müssen. Natürlich. Der Tag hatte also bereits eine Leiche.

Wasserkocher

Wasserkocher

Er steht in der Küche und wartet, dass das Wasser kocht. Der Wasserkocher klingt, als nehme er die Sache persönlicher als nötig. Auf der Arbeitsplatte liegt eine halbierte Zitrone, eingetrocknet am Rand, daneben eine Tasse mit einem Sprung im Henkel, den man nur sieht, wenn das Licht schräg reinfällt. Draußen fährt ein Bus vorbei. Irgendwo im Haus lässt jemand etwas fallen. Es ist alles klein, alles gewöhnlich, alles so unerquicklich normal, dass es beinahe beleidigend wirkt.

Roter Faden auf grauem Asphalt

Ich stehe. Muss ich sagen. Die Füße sind schwer, der Asphalt zieht die Kälte hoch. Es ist diese Art von Licht, die alles grau macht, selbst das bisschen Hoffnung, das man noch im Sack hat. Ein Himmel wie nasses Tuch.

Die 4 unbequemen Wahrheiten über das Überleben, die „Echos einer verlorenen Welt“ uns lehrt

Die meisten Geschichten über das Ende der Welt beginnen nach dem Knall. Sie handeln vom Überleben in den Ruinen, vom Kampf um knappe Ressourcen und dem verzweifelten Versuch, die Scherben der alten Zivilisation wieder zusammenzusetzen. Wir kennen die Bilder: verlassene Autobahnen, verstrahlte Zonen und kleine Gruppen von Menschen, die sich an die Erinnerung an eine bessere Zeit klammern.

Alexander Strasser – Chronist verlorener Welten und neuer Anfänge

In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur hat sich Alexander Strasser als ein prägnanter literarischer Visionär etabliert, dessen Werk weit über die Genregrenzen der spekulativen Fiktion hinausreicht. Seine strategische Bedeutung liegt in der Fähigkeit, post-apokalyptische Szenarien nicht als bloße Kulisse, sondern als tiefgründige philosophische Bühne zu nutzen, auf der die existenziellen Fragen der Menschheit neu verhandelt werden. Seine Hauptwerke, allen voran das epische Mosaik „Echos einer verlorenen Welt“, aber auch frühere Titel wie „Moguéran“ und „Eisige Harmonie“, zeichnen düstere, oft verstörende Visionen einer Welt nach dem Kollaps. Dieser thematischen Schwere steht ein bemerkenswerter Kontrast gegenüber: das zurückgezogene Leben des Autors in einer ländlichen Idylle, aus der er die Chroniken des Untergangs verfasst.

Neon-Atem

Ich stehe. Der Moment ist ein feuchter, kalter Film, der auf meiner Haut klebt. Es ist still, diese Art von Stille, die nur eine Millionenstadt um drei Uhr morgens kennt: ein tiefes, gedämpftes Summen, das aus den Wänden kriecht. Ich atme den Geruch von nassem Beton und billigem Frittierfett ein, eine Mischung, die hier, in dieser Gasse, immer hängt.

Das Licht. Es ist alles Licht. Die Schilder über mir, ein Wirrwarr aus Kanji und Katakana, leuchten in einem ungesunden Pink und einem stechenden Cyan. Sie fressen sich in den nassen Asphalt, ziehen lange, zittrige Schlieren. Jeder Schritt, den ich mache, zerbricht diese Spiegelungen, und für einen kurzen Augenblick bin ich der Zerstörer dieser künstlichen Magie.

Salz auf der Zunge

Der Himmel ist ein einziger, grauer Klumpen. Er hängt tief, so tief, dass ich ihn fast schmecke, dieses metallische, nasse Versprechen von mehr Regen. Ich stehe hier, auf diesem nassen, glitschigen Beton, der ins Meer abfällt. Eine alte Slipanlage, mehr ist das nicht. Der Wind zieht durch die Klamotten, kalt und salzig. Das ist das Erste, was ich rieche: Salz und Moder, das stinkt nach Ebbe und nach dem, was das Meer nicht mehr will.

Worauf wartest du? - Träume!