Neon-Atem

Ich stehe. Der Moment ist ein feuchter, kalter Film, der auf meiner Haut klebt. Es ist still, diese Art von Stille, die nur eine Millionenstadt um drei Uhr morgens kennt: ein tiefes, gedämpftes Summen, das aus den Wänden kriecht. Ich atme den Geruch von nassem Beton und billigem Frittierfett ein, eine Mischung, die hier, in dieser Gasse, immer hängt.

Das Licht. Es ist alles Licht. Die Schilder über mir, ein Wirrwarr aus Kanji und Katakana, leuchten in einem ungesunden Pink und einem stechenden Cyan. Sie fressen sich in den nassen Asphalt, ziehen lange, zittrige Schlieren. Jeder Schritt, den ich mache, zerbricht diese Spiegelungen, und für einen kurzen Augenblick bin ich der Zerstörer dieser künstlichen Magie.

Ich bin auf der Suche. Was genau, das weiß ich nicht mehr. Es ist kein Schlüssel, keine Adresse. Es ist ein Gefühl, das ich verloren habe, irgendwo zwischen den Kabeln, die wie schwarze Spinnweben über meinem Kopf hängen. Ein Witz, den ich vergessen habe, ein Versprechen, das ich nicht halten konnte.

Meine Hände sind kalt, die Taschen meiner Jacke sind leer. Ich gehe langsam, der Blick fixiert auf das Ende der Gasse. Dort, wo die Lichter zu einem einzigen, milchigen Schleier verschwimmen, sehe ich eine Silhouette. Nur ein Schatten, der sich bewegt, dann stillsteht. Ist es das, wonach ich suche? Ein Echo meiner selbst, das mir den Weg zeigen soll?

Ich spüre den leichten Schmerz in meinen Füßen. Die Suche ist anstrengend, aber ich kann nicht aufhören. Ich muss weiter. Die Kälte kriecht in meine Knochen, aber das Neon hält mich wach. Es ist ein lautes, elektrisches Flüstern, das mir sagt: Weitergehen, Alex. Es ist noch nicht vorbei.

Ich gehe auf den Schatten zu. Die Gasse wird enger, die Luft dichter. Die Wahrheit ist: Ich suche nicht etwas. Ich suche nur einen Ort, an dem diese verdammte Suche endlich aufhört. Und vielleicht, nur vielleicht, liegt dieser Ort genau dort, wo das Pink auf das Blau trifft, in diesem letzten, stillen Moment vor dem Morgengrauen.

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