Gedanken
Sex ist das Thema von Anbeginn bis zum Ende aller Zeiten
Wir redeten lange, und irgendwann hörte ich auf, ihre Worte zu zählen. Sie erzählte von einem Typen – natürlich – und von einem Job, den sie fast bekommen hätte. „Fast“ war Annas Lieblingswort. Es war, als hätte sie sich darin eingerichtet, immer knapp daneben zu liegen, wie ein Kind, das beim Spielen nie richtig trifft, aber trotzdem nicht aufhören kann.
Irgendwann war die Flasche leer, und Anna hatte Tränen in den Augen. Ich wollte etwas sagen, etwas, das die Situation irgendwie leichter machen würde, aber die Worte blieben mir im Hals stecken. Also saß ich einfach da und ließ sie reden, ließ sie alles ausspucken, was sie offensichtlich schon viel zu lange mit sich herumtrug.
Denn er weiß nicht was er tut!
Wir verlieren Welten und gewinnen Nichts.
Und dieses Nichts freut und dermaßen,
dass wir die verlorenen Welten darüber vergessen.
Bar jeder wirklichen Leidenschaft, weder für eine Sache noch eine Person, noch eine Idee; unfähig oder nicht willens, mich unter gleich welchen Umständen zu offenbaren, ist es mir gelungen, mich vom Leben fernzuhalten, jeglichen Eintauchen in den Daseinsstrom vermeidend; bin ich im tiefsten, im unabänderlichen Sinn ein Unsichtbarer.
Im Grunde Unverschämtheiten
Jean Cocteau oder ein anderer französischer Feingeist, Andre Gide, Henry de Montherland oder vielleicht auch Sascha Guitry, hat das Problem, 'Takt' im Sinne der herrschenden gesellschaftlicher Normen definieren zu sollen, feinstens durchdacht und wie folgt ziseliert...
‚Tal der Tränen‘
Im diachronen Dialog durch den Tag stelle ich fest, dass sich in Nadines Augen erstmals so etwas wie Zuversicht eingenistet hat. Langsam kann sie sich vorstellen, mit uns beiden könnte doch noch alles gut werden. Was ich denke, ist: Ob es gut wird, ist schwer vorauszusagen. Aber es hat alle Anlagen dazu. Also, packen wir’s an!
Es ist – fast – alles gesagt.
Mich … wer ist das überhaupt? Der Mann schlimmhin! Sagte jedenfalls eine Freundin. Deine Briefe sind völlig egozentriert. sagte sie am gleichen Tag. Das hast Du schon mal H. Miller gemeinsam. Alter Spruch, aber einmal mehr zutreffend: Verbindliches kann ich nur zu mir selber sagen. Was is? Ich hör nix! Ich denke, also … was denn nun?
Noch bin ich hier
Mir hat mein Dasein ein unverstandenes und vielleicht nur auf lange Sicht als strukturiert erkennbar werdendes Geschick mit auf den Weg gegeben. Für das ich über alle Maßen dankbar bin, und dem ich mich bewusst und staunend, und immer wieder aufs Neue zuwende, weil es mein Leben ist.
Eine verlorene Welt.
Ich erkenne bedrückt, dass sie für immer verloren sein wird.
Es wird alles vergessen, was ich erlebt habe. Nichts wird übrig bleiben als eine Art Nachglühen, und vielleicht nicht einmal das.
All die Stunden, die ich verbracht habe, all die Worte, die ich gesagt habe, die Bilder, die ich gesehen habe – all das wird für immer vergessen.
Alter
Ich bin vom Alter infiziert, einer der schon nach Tod riecht und dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, in einer Welt leben will, in der die gemeinen Regeln der ‚Älteren‘ noch nicht gelten, in der das Dasein noch keine Geschichte ist, die stimmt, eine Welt in der alles noch geschehen muss, und die, weil es sich noch nicht ereignet hat, noch alle Formen annehmen kann, ganz einfach weil sie noch nicht wie die meine fertig ist.


