Wo das Wasser endet

Der Regen ist ein Arschloch. Er trommelt auf meinen Schädel, als wollte er mir den letzten klaren Gedanken aus dem Hirn prügeln. Jeder Tropfen ein kleiner, kalter Schlag. Die Straße ist kein Asphalt mehr, sondern ein träger, schlammiger Fluss, der alles verschluckt. Meine Schuhe sind längst durchnässt, ein unangenehmes, schwammiges Gefühl bei jedem Schritt. Scheißegal.

Ich bleibe stehen, das Wasser umspielt meine Knöchel. Es riecht nach nassem Beton, nach altem Laub und dem öligen Glanz, den die Stadt auch im Ertrinken nicht verliert. Ein paar Autos stehen verlassen da, ihre Lichter werfen zitternde Reflexe auf die Wasseroberfläche, als wären sie ertrinkende Augen. In der Ferne, im Dunst, ragt eine Kirchturmspitze in den grauen Himmel, ein stummer Zeigefinger, der ins Nichts deutet.

Ein paar Gestalten huschen durch den Regen, gebeugt unter Schirmen, die kaum etwas nützen. Verlorene Seelen in einer gefluteten Welt. Ich habe keinen Schirm. Wozu auch? Der Regen gehört jetzt zu mir, wäscht den Schweiß und den Frust von meiner Haut.

Ich suche etwas. Oder jemanden. Die Erinnerung daran ist verschwommen, ein vages Ziehen in der Brust, wie Hunger, nur tiefer. War es ein Lächeln? Ein Wort? Ein Versprechen, das in einer Nacht wie dieser gegeben wurde? Die Lichter aus den Fenstern der alten Gebäude spiegeln sich im Wasser, goldene, warme Flecken in all dem Grau. Vielleicht ist es das, was ich suche. Ein Fenster, hinter dem noch Licht brennt.

Das Wasser steigt. Es ist kalt, aber die Kälte fühlt sich seltsam lebendig an. Ich atme tief ein, der Geruch von Regen und Verfall füllt meine Lungen. Ein Moment der Stille, nur das Prasseln des Wassers und das leise Gurgeln, wenn es in die Gullys fließt. Es ist ein beschissener, wunderschöner Augenblick. Und ich stehe mittendrin, bis auf die Knochen nass, und warte. Worauf, weiß ich selbst nicht genau. Vielleicht darauf, dass der Regen aufhört. Oder darauf, dass er mich ganz mit sich nimmt.

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