Stories
Stadt im Herbst
Dann stand ich plötzlich still, ohne zu wissen, warum. Vor mir lag ein Platz, leer und still, umringt von Gebäuden, die wie Wächter wirkten, alt und müde, aber immer noch wachsam.
Die Blätter. Sie lagen überall, ein Teppich aus Sterben, und ich fragte mich, ob sie jemals wieder aufsteigen würden, zurück zu den Bäumen, oder ob sie einfach verschwinden würden, so wie alles andere.
Ich schloss die Augen.
Fliegen über Fliegen
Die Welt roch nach heißem Metall und abgestandenem Fett, einem ungesunden Cocktail aus Schmutz und Eile, wie er nur entstehen konnte, wenn niemand mehr genug Zeit hatte, selbst für den Zerfall. Überall Fliegen – ein Heer aus schimmernd schwarzen Leibern, deren Flügelschlag das Dröhnen eines kaputten Generators imitierte, monoton, gleichgültig, aber irgendwie auch unvermeidlich. Sie krochen über die Gesichter der Passanten, als wären diese nicht mehr als zerfallende Landschaften aus Haut und porösen Knochen, zerbrechlich und schutzlos unter der Sonne, die in dieser Stunde tief stand und sich weigerte, gnädigen Schatten zu spenden.
Die Stadt, ein Kadaver
Die Straßen stanken nach einer seltsamen Mischung aus billigem Fast Food, Urin und einem Hauch von Fäulnis – jener bittersüße, schwer greifbare Geruch, der sich nicht vertreiben ließ, egal wie viele Chemikalien der Wind auch mit sich trug. Es war kein Verfall, der plötzlich gekommen war, sondern einer, der sich schleichend ausgebreitet hatte, wie eine Krankheit, die niemand behandeln wollte.
Sie lagen da, auf Bürgersteigen, unter zerfetzten Werbeplakaten, eingerollt in Pappkartons, als hätten sie sich selbst schon in Grabkammern gelegt. Gesichter aus Wachs, leer, ausgehöhlt – nicht mehr Menschen, sondern Fragmente von Menschen, ein „Davor“ ohne Zukunft.
when times go by
ielleicht, dachte ich, war sie gar nicht wirklich fort. Vielleicht war sie nie wirklich hier gewesen. Oder vielleicht – und das war der einzige Gedanke, der mich tröstete – war sie jetzt an einem Ort, an dem die Zeit tatsächlich stillstand.
Ich stand auf, ließ den Regen wieder auf mich einprasseln, und begann erneut zu gehen. Kein Ziel, kein Ende. Nur der Weg, und die leise, flackernde Hoffnung, dass irgendwo, hinter der nächsten Straßenecke, ein neues Kapitel auf mich wartete.
Es begann mit dem Klang
Ich stand auf, schließlich, weil sitzen keine Option mehr war. Meine Beine fühlten sich an wie Fremdkörper, aber ich bewegte sie, Schritt für Schritt, weg von der Bank, weg vom Bahnhof, hinein in die Straßen, die nichts taten, außer sich zu wiederholen. Jede Kreuzung sah gleich aus, jeder Laden war eine Kopie des nächsten, und ich war nur ein weiterer Schatten, der zwischen den Wänden umherwanderte.
Das Tor der Seelen
Es war ein Tor, und doch war es mehr. Ein gewaltiges Gebilde, das sich nicht in die Dimensionen einer gewöhnlichen Tür fügen ließ. Seine Riegel aus rostigem Eisen flackerten, als seien sie aus Schatten geschmiedet, und die feine, mit Moos überzogene Oberfläche schimmerte wie die abgenutzte Haut eines alten, vergessenen Tieres. Das Tor stand weit offen – wie ein Maul, das den Hauch einer längst verstummten Wahrheit in die Welt entließ, wie ein Fenster, das den Blick auf ein weit entferntes, unsichtbares Land freigab.
Das Haus mit den hundert Augen
Es beginnt mit einem Irrlicht, kaum größer als eine Flamme, die durch die Dämmerung tanzt. Der Träumende folgt ihm – nicht aus Neugier, sondern weil etwas an seiner Bewegung unwiderstehlich ist. Es führt ihn durch einen Nebel, der so dicht ist, dass selbst die Zeit darin verschwindet. Und dann steht er plötzlich davor: ein Haus, das keinem Ort, keiner Epoche zu gehören scheint.
Die Wurzeln des Traums
Er saß da, der Schamane, eine Gestalt aus Schatten und Licht, mit einem Gesicht, das zugleich uralt und zeitlos wirkte. Seine Augen glühten wie die Überreste eines längst erloschenen Feuers, und in seinen Händen hielt er die Schale – ein Gefäß, gefüllt mit einer dunklen Flüssigkeit, die in der Dämmerung schimmerte.
„Trink,“ sagte er, seine Stimme wie das Knistern trockener Blätter im Wind.







