Stories

Nachtmarkt

Ich bin kein Körper mehr, nur eine stehende Verdichtung aus Kälte, ein Knoten aus Atem, der vergessen hat, wozu Lungen einst erfunden wurden, und die Straße unter mir ist kein Boden, sondern eine klaffende Haut, rissig, feucht, durchzogen von flackernden Narben aus Licht, die sich mir einbrennen wie fremde Erinnerungen, die nie die meinen waren.

Chronik des letzten Herzschlags

Der Himmel blutet keinen Regen mehr, nur noch eine zähe, ölige Schwärze, die sich wie ein Leichentuch über die Adern dieser sterbenden Stadt legt. Ich stehe hier, eine Silhouette im endlosen Dämmerlicht, und atme den Geschmack von nassem Asphalt, rostigem Eisen und der süßlichen Fäulnis verglühender Schaltkreise. Jeder Atemzug ist ein Schluck aus dem vergifteten Kelch, den diese Metropole jedem an die Lippen presst, der töricht genug ist, noch zu fühlen.

Im Echo der Stille

Der Boden ist kalt und feucht unter mir. Ein modriger Geruch steigt auf, eine Mischung aus nasser Erde, verrottendem Holz und dem kalten Schweiß von Betonwänden. Ich sitze hier, die Beine überkreuzt, und starre ins Licht. Es gibt zwei Lichter. Das eine, ein milchiger Schacht an der Decke, wirft einen fahlen Schein auf den Dreck um mich herum. Das andere, ein kleines, dreckverkrustetes Fenster, ist mein Horizont. Dahinter, kahl und knochig, die Äste eines Baumes, die wie Adern gegen einen grauen Himmel kratzen.

Die Kapuze meines Hoodies sitzt tief im Nacken, ein schützender Kokon in dieser Trostlosigkeit. Jeder Atemzug ist ein kleiner, weißer Nebel, der sich vor meinem Gesicht auflöst. Es ist still. Nicht die friedliche Stille eines Sonntagmorgens, sondern eine schwere, drückende Stille, die in den Ohren rauscht. Manchmal knackt ein Ast draußen im Wind, oder ein Tropfen fällt von der Decke und zerspringt in einer der Pfützen, die sich auf dem Boden gebildet haben. Das Geräusch ist wie ein Stein, der in einen tiefen See geworfen wird – die Kreise, die er zieht, sind meine Gedanken.

Ich bin auf der Suche, haben sie gesagt. Aber was suche ich hier, in diesem Loch? Antworten? Vergebung? Einen verdammten Ausweg? Die Wände starren zurück, ihre rissigen, schmutzigen Gesichter sind wie Landkarten von Orten, an denen ich nie war. Dunkle Schlieren ziehen sich herab, als hätte die Zeit selbst hier geweint.

 

 

Der Schrei

Der Asphalt ist kalt, das spüre ich durch die dünne Sohle meiner Schuhe, obwohl ich hocke. Kalt und feucht. Ich bin hier, mitten in diesem Dreck, und starre in die Ferne. Die Suche, sie geht weiter. Ich weiß nicht, wonach ich suche, aber ich weiß, dass ich es hier nicht finde. Trotzdem bleibe ich.
Der Geruch. Eine Mischung aus altem Fett, nassem Müll und dem süßlichen, beißenden Dunst von Abgasen, die irgendwo in der Ferne stecken bleiben. Es ist ein Geruch, der an der Kehle kratzt, aber er ist ehrlich. Er ist das, was übrig bleibt, wenn die Stadt schläft.

Stadt-ein-Kadaver-in-Neon

Der Asphalt glänzt nasskalt unter meinen Füßen, ein schwarzer Spiegel für das sterbende Licht des Tages. Die Luft schmeckt nach feuchter Erde und dem fernen, metallischen Geruch der Stadt – eine Mischung aus Regen und Rost. Ich stehe mitten auf der Straße, als wäre sie nur für mich gemacht. Ein seltsames Gefühl. Die Laternen werfen lange, orangefarbene Arme aus, die sich auf dem Boden winden wie hungrige Schlangen. Sie zischen leise, ein kaum hörbares Summen, das sich mit dem fernen Rauschen des Verkehrs vermischt.

 

 

 

Nach dem Sturm

Der Wind ist noch scharf, er beißt in die Haut, aber er ist sauber. Kein Salz mehr, nur diese kühle, nasse Luft, die nach aufgewühltem Schlick und frisch gewaschenem Stein riecht. Ich stehe hier, die Füße fest auf dem feuchten Pflaster, und starre auf das Wasser. Es ist dunkel, fast schwarz, und doch glänzt es, als hätte jemand Öl hineingegossen.

Morgen nach dem Sturm

Der Sand ist nass und kalt unter meinen Stiefeln. Er knirscht nicht, er seufzt nur leise, wenn ich das Gewicht verlagere. Ich stehe hier, wo die letzte Welle des Sturms von gestern Nacht ihre Spur hinterlassen hat. Die Sonne kämpft sich gerade durch diesen grauen, schweren Himmel, wirft ein kaltes, gleißendes Licht auf das aufgewühlte Meer. Es ist diese Stunde, in der die Welt noch nicht ganz wach ist, und ich bin allein. Wie so oft.

 

Ebbe und das letzte Licht

Ich stehe hier, wo das Wasser sich zurückgezogen hat, und sehe zu, wie der Tag stirbt. Es ist diese Stunde, in der die Farben lügen. Der Himmel brennt in Orange und Rosa, ein kitschiges Spektakel, das man trotzdem nicht ignorieren kann. Ich atme tief ein. Der Geruch…