Stories
Die schwimmende Stadt
Der Plastikmüll unter meinen Füßen knirscht wie zerbrochenes Glas. Ich halte den Atem an, als eine Welle gegen den Ponton schlägt und das ölverschmierte Wasser durch die Ritzen zwischen den Flaschen, Styroporbrocken und zerfetzten Fischernetzen drückt. Der Horizont ist ein einziger glitzernder Teppich aus Abfall, der sich bis zum verschwommenen Rand der Welt erstreckt. Miami. Oder das, was davon übrig ist.
Bernadette
Bernadette. Ihr Name vibriert in der Luft wie der Nachhall einer vergessenen Melodie. Sie trägt ein schwarzes Kleid, das im dämmrigen Licht wie Tinte zu fließen scheint, abgetragen an den Säumen, aber von einer zeitlosen Eleganz. Ihre dunklen Haare fallen ihr in widerspenstigen Wellen über die Schultern, und diese eine störrische Strähne – sie wird zu meiner liebsten Ablenkung werden – tanzt immer wieder vor ihren Augen.
Fin
Als sie später ging, ließ sie ihren Schlüssel auf dem Tisch liegen. Keine Worte, kein Abschied. Nur die Schritte, die leiser wurden, bis ich nichts mehr hörte. Draußen bellte der Hund, und ich blieb stehen, die Hände in den Taschen, unfähig, etwas zu tun. Etwas zu sagen.
Die Nacht zog sich hin. Ich saß auf dem Sofa, das Glas Wein in der Hand, und wartete darauf, dass irgendetwas passierte. Dass sie zurückkam. Dass Claire anrief. Dass ich aufwachte und feststellte, dass alles nur ein schlechter Traum war.
Aber nichts passierte. Nur die Stille. Und der Geruch von Lavendel, der in der Luft hing, lange nachdem sie gegangen war.
Morgen kommt Marie zurück
Später, als ich allein im Bett lag, roch ich noch immer nach ihr. Der Wind wehte durch das offene Fenster, und ich starrte in die Dunkelheit, die wie ein schwarzes Loch alles zu verschlingen schien. Ich dachte an Marie, an ihren Geruch nach Lavendel und an ihre ruhige Stimme, die mich immer geerdet hatte. Und ich dachte an Claire, an ihren Sturm und ihre Augen, die mich wie ein Rätsel ansahen, das sie längst gelöst hatte.
Ich schloss die Augen, aber der Schlaf kam nicht.
Besuch
„Nein. Ich bin froh, dass du hier bist.“
Sie lachte, kurz und rau, und schnippte die Zigarette in den Garten. „Na, endlich sagst du mal was Vernünftiges.“
Wir blieben dort, bis die Nacht ganz hereingebrochen war, und der Himmel sich in ein Schwarz verwandelte, das tiefer war als alles, was ich je in der Stadt gesehen hatte. Claire sprach nicht mehr, und ich auch nicht. Manchmal war das die beste Art, miteinander zu reden.
Das Weiße Haus
„Ich bleibe erst mal hier“, sagte sie schließlich.
„Wie lange?“
„Bis ich es weiß.“
„Was?“
„Ob ich bleiben will.“
Ich nickte. Mehr gab es dazu nicht zu sagen.
Und während ich ihr zusah, wie sie im letzten Licht des Tages im Garten stand, konnte ich nicht sagen, ob ich wollte, dass sie bleibt, oder dass sie geht. Vielleicht beides. Vielleicht nichts davon.
Das Haus
„Ich bleibe nicht lange“, sagte sie, fast entschuldigend. „Das tust du nie.“ „Vielleicht komme ich wieder.“ „Vielleicht.“ Sie ging zur Tür, der Hund hob den Kopf, ließ ihn aber gleich wieder sinken, als hätte er schon genug von all dem. Ich stand da, sagte nichts, sah zu, wie sie verschwand, genau wie damals, nur anders. Und plötzlich fühlte sich das Haus noch kleiner an.
Marie ist wieder da
„Lass uns gehen“, sagte Marie plötzlich.
„Wohin?“
„Irgendwohin.“
„Das ist keine Antwort.“
„Doch, ist sie.“
Ich folgte ihr, weil das alles war, was ich tun konnte. Der Hund lief neben ihr her, als hätte er sie immer gekannt. Und ich fragte mich, ob das, was sie sagte, wahr war – dass man nie aufhören sollte. Aber wenn das so war, warum hatte sie dann aufgehört, bei mir zu bleiben?







