Stories

Das Schiff der Ertrunkenen

Ich spüre das schwankende Deck unter meinen nackigen Füßen, als ich die rostige Treppe zum Heck hinaufsteige. Das Salz liegt schwer in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Geruch des Verfalls. Überall um mich herum stapeln sich die Hinterlassenschaften einer versunkenen Welt

Die wandernde Herde

Die Prärie erstreckt sich endlos vor uns, eine trostlose Ebene aus Rissen und Asche. Der Boden unter unseren Füßen ist hart und spröde, als wäre er von einem Feuer versengt worden, das niemals erloschen ist. Wir folgen den Büffeln

Die Insel der Algenbauern

Unsere Hütten stehen auf Stelzen im Marschland, das wie ein giftiger Teppich unter uns liegt. Das Wasser darunter glüht in einem kranken Grün, wenn der Wind die Oberfläche kräuselt. Manchmal sehe ich Dinge darin – Schatten, die sich bewegen, als würden sie uns beobachten. Aber ich spreche nicht darüber. Niemand tut das.

Das letzte Kraftwerk

Die Kontrollleuchten flackern im Takt der Erdbeben. Ein stetes, nervöses Blinken, das sich wie ein Herzschlag durch den Raum zieht. Rot, Grün, Rot, Grün. Manchmal frage ich mich, ob der Reaktor noch lebt oder bereits stirbt – ob diese Lichter sein letztes Aufbäumen sind, bevor er uns im Stich lässt

Die Stadt der Spiegel

Dubai. Einst eine Kathedrale aus Stahl, Glas und unermesslichem Reichtum. Jetzt ein Friedhof aus Spiegeln, die die Sonne reflektieren wie Waffen. Die leeren Hochhäuser ragen in den Himmel, ihre Fassaden blind und spöttisch, als würden sie uns auslachen für das, was wir angerichtet haben. Jeder Sonnenstrahl, der von ihnen zurückgeworfen wird, brennt auf meiner Haut wie Feuer.

Die gefrorene Grenze

Der Wind beißt wie ein wildes Tier, als ich den nächsten Eisblock auf die Mauer stemme. Meine Hände sind blau und taub, meine Finger steif vor Kälte, aber ich lasse nicht nach. Jeder Block ist schwer, rissig und kalt genug, um die Haut zu verbrennen, wenn man ihn zu lange festhält. Doch wir bauen weiter, weil wir keine andere Wahl haben. Die Mauer ist alles, was uns trennt von ihnen – den Flüchtlingen, die aus dem Niemandsland kommen.

Das tote Korallenmeer

Die Boote dümpeln träge in der Bucht, als hätten sie aufgegeben, irgendwohin zu wollen. Das Wasser ist flach und glasig, aber darunter liegt ein Friedhof aus weißen Skeletten – Korallen, die einmal lebendig waren, jetzt aber nur noch bleiche Überreste ihrer selbst. Früher gab es hier Farben. Rot, Orange, Violett – eine Unterwasserwelt, die so lebendig war, dass man sich wie ein Eindringling fühlte. Jetzt ist alles still. Tot. Selbst die Wellen scheinen nicht mehr zu atmen.

Antarktische Zuflucht

Meine Finger kleben an der gefrorenen Wand der Unterwasserkuppel. Die Kälte brennt wie Feuer auf meiner Haut, aber ich kann mich nicht lösen von diesem Anblick – durch das Eis über mir sehe ich dunkle Schatten, die gegen die Barriere rammen. Orcas. Sie kommen seit Tagen, immer wieder, als suchten sie einen Weg durch das meterdicke Eis. Oder einen Weg zu uns.