Der Himmel ist ein einziger, grauer Klumpen. Er hängt tief, so tief, dass ich ihn fast schmecke, dieses metallische, nasse Versprechen von mehr Regen. Ich stehe hier, auf diesem nassen, glitschigen Beton, der ins Meer abfällt. Eine alte Slipanlage, mehr ist das nicht. Der Wind zieht durch die Klamotten, kalt und salzig. Das ist das Erste, was ich rieche: Salz und Moder, das stinkt nach Ebbe und nach dem, was das Meer nicht mehr will.
Ich schaue rüber zu den Häusern. Weiß getüncht, mit diesen dunklen Dächern, kleben sie da drüben am Kai, kauern unter dem Kirchturm. Sie sehen aus, als hätten sie schon tausend Stürme überlebt. Und ich? Ich stehe hier und warte. Auf was, weiß ich nicht genau. Die Suche, sagen sie, ist das Ziel. Ein blöder Spruch, aber heute fühlt er sich wahr an. Ich suche nicht nach einem Schatz oder einer verlorenen Liebe. Ich suche nach einem Anker.
Das Wasser ist dunkel, fast schwarz, nur die kleinen Wellen, die gegen den Beton schlagen, sind silbern. Es rauscht leise, ein monotones, dumpfes Geräusch, das alles andere schluckt. Kein Schreien, kein Lachen. Nur das Meer.
Plötzlich, da drüben, im seichten Wasser: Der Hund. Ein brauner Wirbel, der rennt, die Beine hochgerissen, als würde er über das Wasser fliegen. Er jagt irgendwas, einen Fisch, einen Schatten, oder einfach nur die pure Bewegung. Er ist völlig in seinem Moment, frei von diesem ganzen grauen Gewicht, das auf mir lastet. Er spritzt das Wasser auf, ein kleiner, goldener Funke in dieser Melancholie.
Ich sehe ihm nach. Er sucht auch. Aber seine Suche ist einfach, körperlich. Meine ist so verdammt kompliziert, so kopflastig. Ich spüre die Kälte jetzt in den Knochen, nicht nur auf der Haut. Ein dumpfes Ziehen im Bauch. Hunger? Oder einfach nur die Leere, die ich mit mir rumtrage?
Ich atme tief ein. Der Geruch von Jod und nassem Stein füllt meine Lungen. Ich bin hier. Das ist alles, was zählt. Ich bin nicht weiter, aber auch nicht zurück. Ich stehe fest auf diesem nassen, kalten Beton. Der Hund ist jetzt fast am Ufer, schüttelt sich kurz und rennt weiter, verschwindet hinter einem Felsen.
Ich bleibe stehen. Die Suche geht weiter. Aber vielleicht, denke ich, vielleicht muss ich nicht so schnell rennen wie der Hund. Vielleicht reicht es, einfach nur zu gehen. Langsam. Schritt für Schritt. Und zu warten, bis der Himmel endlich aufreißt. Oder bis der Regen kommt. Ist mir auch egal. Hauptsache, es passiert was. Jetzt erst mal ’ne Kippe. Das ist der Plan. Der Einzige, der gerade zählt.










