Die wandernde Wüste
Er tritt neben mich, seine pflanzliche Haut leuchtet sanft im Mondlicht. „Es ist kein Feind der Menschheit. Es ist kein Feind von irgendetwas Lebendem. Es will nur die Verbindung wiederherstellen, die verlorenging, als das Leben begann, sich in einzelne, isolierte Formen aufzuspalten.“
„Aber es verändert uns“, sage ich. „Es nimmt uns, was wir sind.“
Der vertikale Wald
Ich klettere über die verrosteten Feuerleitern des letzten Wolkenkratzers in Berlin. Der Wind zerrt an meiner Jacke, trägt den Geruch von verbranntem Plastik und verrrottenden Pflanzen mit sich. Unter mir breitet sich die Stadt aus wie ein Grab aus Beton und Stahl, überwuchert von einem grotesken Teppich aus Vegetation – keine sanften Wiesen oder majestätischen Bäume, sondern fleischfressende Pflanzen mit Blättern wie Rasierklingen und Blüten, die in der Dunkelheit leuchten wie radioaktiver Abfall.
Juliette
Sie sitzt am Fenster, das Morgenlicht fängt sich in ihrem Haar. Ihre Mappe liegt aufgeklappt vor ihr, darin Skizzen in aggressiven Rot- und Schwarztönen, die wie offene Wunden wirken. Als sich unsere Blicke treffen, spüre ich ein leichtes Zittern in der Magengrube. Ihre Augen sind dunkel wie der Espresso vor ihr, aber da ist ein goldener Schimmer darin, wenn das Licht sie richtig trifft.
Epilog
Ich stand auf und ging zurück zum Haus. Der Hund folgte mir, ohne zu fragen.
Das Haus war leer. Und irgendwie war ich es auch. Aber vielleicht war das okay. Vielleicht musste man leer werden, bevor man etwas Neues füllen konnte. Ich schloss die Tür, ließ den Schlüssel auf den Tisch fallen und wusste, dass ich irgendwann gehen würde. Nur nicht heute. Heute gehörte mir.
Vielleicht
„Vielleicht bleiben wir doch“, sagte ich irgendwann, als wir beide auf der Couch saßen, der Hund zu unseren Füßen.
„Vielleicht“, sagte sie, und ihre Stimme klang genauso müde wie der Himmel draußen aussah.
Und dann war da wieder diese Stille, die so typisch für Moguéran war, so dicht und schwer, dass sie sich wie ein weiteres Möbelstück anfühlte, ein Teil des Hauses, der nicht verschwinden würde, egal, wie lange wir blieben.
Ruhige und friedliche Tage am Meer
„Das kommt auf uns an.“
Wir redeten nicht mehr viel an diesem Abend. Der Hund schlief irgendwann ein, und die Sterne kamen heraus, einer nach dem anderen, bis der Himmel aussah wie ein Netz aus Lichtpunkten.
Ich wusste nicht, wie lange wir bleiben würden, oder ob es das Richtige war, überhaupt hier zu sein. Aber in diesem Moment – in der Stille des Hauses, mit dem Meer im Hintergrund und Marie, die so nahe war, dass ich ihren Atem hören konnte – fühlte es sich fast so an, als wäre es genug.
Ich muss nach Brest
Der Abend war still. Der Hund schnarchte, die Kerze flackerte, und ich dachte an Brest, an die Menschen dort, an Marie, die wahrscheinlich irgendwo in einer Stadt wie dieser saß, vielleicht auch mit einer Flasche Wein und einer Kerze.
Ich griff nach dem Handy, starrte auf den leeren Bildschirm. Keine Nachricht von Marie.
„Vielleicht morgen“, murmelte ich und ließ es zurück auf den Tisch sinken.
when the lights







