Tagebuch der Unrast

Alexander Strasser

Zwischen Dämmerung und Papier entstehen meine Welten

Romane, die sich wie Träume anfühlen. Gedanken, die nachhallen. Geschichten, die fragen, was bleibt.

Ich schreibe, weil Worte manchmal näher an der Wahrheit sind als das, was wir sehen.
Meine Geschichten bewegen sich zwischen dystopischer Klarheit und traumhafter Unschärfe. Ich liebe das Unerklärliche – und die Momente, in denen Sprache plötzlich etwas sichtbar macht, das vorher nur Gefühl war.
Wenn du zwischen den Zeilen gern wanderst: Willkommen. Du findest hier Kurzgeschichten, Auszüge und Arbeitsversionen meiner Romane.

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Montmartre, ein Dienstagabend

Der Regen hat gerade aufgehört. Ich stehe hier, am Rand dieses schmalen Pflasters, und sehe zu, wie das Licht die Straße aufsaugt. Es ist dieses schmutzige, goldene Leuchten, das nur alte Pariser Cafés hinkriegen. Ein warmer, fast schon unverschämter Schein, der sich in den nassen Steinen spiegelt und alles doppelt so tief macht.

Montmartre-am-Morgen

Der Rahmen des Fensters ist kühl, rau unter meinen Fingerspitzen. Ich lehne mich nicht an, nur ein leichtes Berühren, eine Verankerung. Es ist noch früh, die Luft schmeckt nach feuchtem Stein und dem ersten, zaghaften Rauch aus den Schornsteinen der Dächer unter mir. Ich atme tief ein, der Geruch von Paris am Morgen – eine Mischung aus alter Patina und dem Versprechen von frischem Kaffee, das noch in den Gassen schlummert.

Die Regenläuferin

Der Regen hatte aufgehört, aber die Stadt tropfte noch. Aus den Dachrinnen, den Schirmen, den Stimmen derer, die zu spät unterwegs waren.
Sie trat in eine Pfütze, sah, wie das Licht der Straßenlaternen darin zerfloss – gold, blau, grau – und fragte sich, ob Erinnerungen wohl genauso verblassen.

In ihrer rechten Hand hielt sie den Zettel. Die Tinte war verlaufen, doch die Adresse blieb lesbar. Einmal tief Luft holen, dann weiter.
Autos glitten vorbei, als hätten sie nichts mit ihr zu tun. Hatten sie auch nicht.

Die Straße bog nach links, und irgendwo dahinter, hinter dem blauen Dunst, lag die Tür, an die sie klopfen musste.
Sie spürte, wie ihr Herz lauter wurde als der Regen.

Der unbeantwortete Anruf

Ich liege auf dem Sofa, als mein Handy vibriert. Es rutscht über den Glastisch, kratzt an der Oberfläche wie ein kleines Tier, das Aufmerksamkeit will. Ich strecke mich, aber es liegt außerhalb meiner Reichweite. Noch eine Vibration, dann Stille. Verpasster Anruf. Unbekannte Nummer.

Normalerweise würde ich es dabei belassen. Wer wichtig ist, ruft nochmal an. Oder schickt eine Nachricht. Aber heute ist irgendwas anders. Eine seltsame Spannung liegt in der Luft, als wäre die Wohnung plötzlich zu groß geworden. Das Ticken der Wanduhr klingt lauter als sonst.

Der verschwundene Gegenstand

Ich stehe vor dem offenen Kühlschrank und starre hinein, als könnte sich der Inhalt durch mein Starren vermehren. Es ist diese merkwürdige Zeit zwischen zu spät für ein vernünftiges Abendessen und zu früh fürs Schlafengehen. Die Kühlschranklampe wirft ein kaltes Licht auf mein Gesicht. Mein Magen knurrt leise.

„Wo ist die verdammte Butter?“, murmle ich vor mich hin.

Post für jemand anderen

Ich stehe an einer Straßenecke, die Luft schmeckt nach Asphalt und Abgasen. Der Himmel hängt tief, grau und schwer wie ein nasser Wollpullover. Menschen huschen vorbei, Gesichter verschwommen, als hätte jemand mit einem feuchten Lappen darübergewischt. Ich warte. Worauf? Keine Ahnung. Meine Finger spielen mit etwas in der Jackentasche. Ein Brief. Natürlich. Der Brief.

Vertraute Straßen

Ich wache auf einer Bank auf. Eine dieser Parkbänke mit dem leicht gewölbten Holz, das sich in den Rücken drückt, aber irgendwie doch bequem ist. Seltsam. War ich eingeschlafen? Muss wohl. Die Straße vor mir kommt mir bekannt vor, aber ich kann sie nicht einordnen. Wie ein Déjà-vu, das sich einfach nicht greifen lässt.

Das ungewöhnliche Gespräch

Es ist ein Dienstag, und Dienstage haben was Graues an sich, egal wie die Sonne scheint. Der kleine Kiosk an der Ecke leuchtet wie ein Schiff in der Nacht mit seinen bunt gefüllten Auslagen und dem flackernden Neonschild, das mehr tot als lebendig ist. Die Zeitungen sind schon fast alle weg, nur noch die mit den langweiligen Schlagzeilen hängen im Ständer, als hätte keiner Lust auf Nachrichten, die einem den Tag noch grauer machen.

Worauf wartest du? - Träume!