Tagebuch der Unrast

Alexander Strasser

Zwischen Dämmerung und Papier entstehen meine Welten

Romane, die sich wie Träume anfühlen. Gedanken, die nachhallen. Geschichten, die fragen, was bleibt.

Ich schreibe, weil Worte manchmal näher an der Wahrheit sind als das, was wir sehen.
Meine Geschichten bewegen sich zwischen dystopischer Klarheit und traumhafter Unschärfe. Ich liebe das Unerklärliche – und die Momente, in denen Sprache plötzlich etwas sichtbar macht, das vorher nur Gefühl war.
Wenn du zwischen den Zeilen gern wanderst: Willkommen. Du findest hier Kurzgeschichten, Auszüge und Arbeitsversionen meiner Romane.

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Der Abgrund im Bokeh

Es ist die unerbittliche, warme Täuschung dieser Lichter, die mich in die unendliche Weite des Nichts zurückwirft, ein Nichts, das nicht die Abwesenheit von allem ist, sondern die schreckliche Gewissheit, dass alles Seiende, einschließlich dieses zitternden Ichs, nur eine flüchtige, zufällige Ansammlung von Atomen ist, die sich weigert, ihre eigene Absurdität anzuerkennen.

Der Schwarm und das Versprechen des Verfalls

Die Luft schmeckt nach verrosteten Pennys und vergessenen Versprechen. Es ist der Geschmack der Realität in dieser Stadt, ein metallischer, beißender Nachgeschmack, der sich in die Zunge frisst wie Säure in ein altes Negativ. Ich stehe im Schatten, wo der Beton noch die Kälte der letzten Nacht speichert, und sehe zu, wie die Stadt atmet. Es ist kein Atemzug des Lebens, sondern das Röcheln eines sterbenden Giganten, ein dumpfes, tiefes Grollen, das aus den Abwasserkanälen aufsteigt und sich in den tiefen Fugen der Straße verfängt.

Das Licht am Ende der Gasse

Ich hocke hier unten, die Knie tun weh. Scheißegal. Die Welt ist gerade nur dieser nasse, kalte Steinboden und die Blätter. Ein großes, braunes Ding klebt direkt vor meiner Nase, feucht und modrig. Ich atme tief ein. Das ist der Geruch von Herbst, von altem Laub und dem bisschen Abgas, das die Sonne noch nicht weggebrannt hat. Es riecht nach Ende und nach Anfang zugleich.

Pochen

Die Luft liegt wie geronnenes Fett auf meiner Haut. Ich gehe, aber ich bewege mich nicht – die Stadt bewegt sich durch mich hindurch, ein träger Organismus aus zerbrochenem Beton und oxidiertem Stahl, der mich verdaut, während ich seine Arterien durchquere. Der Himmel über mir ist keine Metapher mehr. Er ist eine chemische Gleichung, die nicht aufgeht: Kupfersulfat plus Schwefeldioxid ergibt dieses schmutzige Bernstein, dieses Licht, das nach altem Blut und verbranntem Plastik schmeckt.

Der Leviathan träumt in Ziegelstaub

Die Luft schmeckt nach Kupfersulfat und verbranntem Haar. Ich stehe in der Geometrie des Zusammenbruchs, wo die Straße nicht mehr Straße ist, sondern eine Wunde, die sich durch das Fleisch der Stadt frisst. Der Nebel hängt wie geronnenes Licht zwischen den Ruinen, eine milchige Suspension aus Staub und Zeit, und ich atme ihn ein, spüre, wie er sich an meinen Alveolen festsetzt, kleine Kristalle des Verfalls, die in meinem Blut zu zirkulieren beginnen.

Der Ereignishorizont der Straßenlaternen

Das Licht schmeckt nach Kupfersulfat und verbranntem Silizium. Ich stehe hier, wo die Straße ihre Geometrie verliert, wo der Asphalt aufhört, fest zu sein, und anfängt zu atmen – langsam, rhythmisch, wie ein Organismus in Narkose. Die Laternen über mir sind keine Lichtquellen mehr, sie sind Fisteln im Fleisch des Himmels, durch die etwas Radioaktives sickert, etwas, das früher vielleicht Hoffnung war, bevor es die kritische Masse erreichte und zu dieser orangefarbenen Malignität mutierte.

 

Der Ereignishorizont der Asphalt-Entropie

Das Licht, das mich umgab, war kein Licht der Hoffnung, sondern ein toxisch-oranges Leuchten, das schmeckte wie eine Mischung aus verbranntem Kupfer und der Säure, die sich im Magen eines Sterbenden ansammelt. Es war das Licht, das aus dem Ereignishorizont des Himmels kroch, wo die Sonne, ein vergessener Gott, nur noch eine riesige, krebsartige Wunde war, die sich über die kybernetischen Narben der Skyline ausbreitete. Die Luft war kein Medium zum Atmen, sondern eine zähe, ölige Suspension, die sich wie eine zweite, schwere Haut auf meine Netzhaut legte und das Geräusch der Stille in ein tiefes, resonantes Dröhnen verwandelte, das in den Fraktalen meiner Knochen nachhallte.

Die Bucht des Ertrunkenen Lichts

Die Bucht des Ertrunkenen Lichts
Die Hoffnung schmeckte nach Rost und abgestandenem Öl, ein metallischer Film, der sich über die Zunge legte, wann immer der Blick über die Bucht glitt. Es war die Stunde, in der die Sonne, ein geschwollenes, gelbes Auge am Horizont, ihren letzten, toxischen Atem über die Szenerie hauchte. Das Licht war kein Versprechen mehr, sondern eine Warnung, ein goldener Schimmer, der nur dazu diente, die Ungeheuerlichkeit des Verfalls zu beleuchten.
 
 

Worauf wartest du? - Träume!