Tagebuch der Unrast

Alexander Strasser

Zwischen Dämmerung und Papier entstehen meine Welten

Romane, die sich wie Träume anfühlen. Gedanken, die nachhallen. Geschichten, die fragen, was bleibt.

Ich schreibe, weil Worte manchmal näher an der Wahrheit sind als das, was wir sehen.
Meine Geschichten bewegen sich zwischen dystopischer Klarheit und traumhafter Unschärfe. Ich liebe das Unerklärliche – und die Momente, in denen Sprache plötzlich etwas sichtbar macht, das vorher nur Gefühl war.
Wenn du zwischen den Zeilen gern wanderst: Willkommen. Du findest hier Kurzgeschichten, Auszüge und Arbeitsversionen meiner Romane.

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Mit Clair und Jean im Le Petit Rien

„Vielleicht sieht man sich.“

Ich zuckte mit den Schultern, zog die Kapuze über den Kopf. Der Regen fühlte sich schwer an, als ich nach draußen trat, fast wie ein Druck auf den Schultern.

Marie war immer wie dieser Regen gewesen, dachte ich. Unaufhaltsam, schwer, aber irgendwie auch reinigend.

Vielleicht hatte Jean recht. Vielleicht wusste das Meer, was ich nicht wusste. Aber es sagte nichts. Nur das gleichmäßige Rauschen, immer dasselbe, egal, wer blieb oder ging.

Moguéran war noch da

„Na los“, sagte ich schließlich zum Hund. „Zurück nach Hause.“   Er bellte kurz, sprang an mir vorbei und rannte voraus, den Kopf hoch erhoben, als hätte er etwas Wichtiges vor.   Ich folgte ihm, langsam, jeden Schritt spürend. Moguéran war noch da. Und ich auch. Vielleicht war das genug.

Eine Nachricht von Marie

Ich starrte auf die Worte, fühlte das Gewicht, das in ihrer Unverbindlichkeit lag. Aber es war besser als nichts. Vielleicht war es genau das, was Moguéran ausmachte – das ständige Gefühl, dass etwas passieren könnte, aber nie wirklich musste. Ich legte das Handy weg, stand auf und trat auf die Straße hinaus. Die Luft war kühl geworden, aber sie hatte etwas Klareres, Frischeres. Der Hund trottete hinter mir her, neugierig schnüffelnd.

Le Petit Rien

Lass sie laufen.“ Claire stubste ihre Zigarette in den Aschenbecher, aber die Glut hielt sich noch wacker. „Oder renn ihr hinterher, wenn dir das lieber ist. Aber häng nicht in diesem Zwischen-Dings rum. Macht dich nur noch miefiger.“

Ich lachte kurz auf. „Miefig? Das sagt die Frau, die seit fünf Jahren denselben Job in derselben Bar in diesem Kaff macht?“

„Touché.“ Sie grinste, schob mir eine neue Zigarette hinüber und zündete sie für mich an. Ich rauchte selten, aber heute war einer dieser Tage, an denen der Rauch einem wenigstens das Gefühl gab, irgendetwas loszuwerden.

Ich muss nach Brest

Der Abend war still. Der Hund schnarchte, die Kerze flackerte, und ich dachte an Brest, an die Menschen dort, an Marie, die wahrscheinlich irgendwo in einer Stadt wie dieser saß, vielleicht auch mit einer Flasche Wein und einer Kerze.

Ich griff nach dem Handy, starrte auf den leeren Bildschirm. Keine Nachricht von Marie.

„Vielleicht morgen“, murmelte ich und ließ es zurück auf den Tisch sinken.

Nachricht von Marie

Und das reicht. Das reicht, um mich zurückzuversetzen in diese Tage, in denen wir zusammen am Strand saßen, mit einer Decke und einer Flasche Wein, der Sand zwischen unseren Fingern, ihre Haare vom Wind zerzaust. Wie sie immer gesagt hat, dass sie das Meer braucht, dass es sie beruhigt, dass es das Einzige ist, das wirklich groß genug ist, um sie klein fühlen zu lassen.

 

„Warum bist du dann weggegangen?“, schreibe ich.

 

Die Antwort kommt schneller, als ich erwartet hätte.

 

„Weil es zu still war.“

Einsame Tage am Meer

Ich lasse mich auf den Sessel sinken, den, den sie immer gehasst hat, weil er so unbequem ist. Der Hund rollt sich auf dem Teppich zusammen, und ich schaue aus dem Fenster, wo der Regen wieder angefangen hat. Kleine Tropfen, die die Scheibe hinunterlaufen, wie winzige Tränen, die keinen Lärm machen. Es gibt keinen Soundtrack, keine dramatische Musik. Nur den Regen und das gleichmäßige Atmen des Hundes.

Und dann sitze ich einfach da, starr auf die Tropfen, die sich zu kleinen Rinnsalen verbinden, die sich ihren Weg nach unten bahnen. Es gibt nichts mehr zu sagen. Nichts mehr zu tun. Nur das Geräusch des Regens, das alles andere übertönt.

Marie geht

Ich setze mich wieder hin, greife nach der leeren Flasche, dann nach der vollen, die ich vorhin aus dem Kühlschrank geholt habe. Der Regen hat aufgehört, aber die Wolken hängen immer noch tief. Das Licht im Raum ist grau, gedämpft, als hätte die Welt beschlossen, in Trauer zu bleiben. Ich nehme einen Schluck und versuche, an etwas anderes zu denken. An Marseille, vielleicht. Aber es funktioniert nicht.

Worauf wartest du? - Träume!