Tagebuch der Unrast

Zwischen Dämmerung und Papier entstehen meine Welten
Romane, die sich wie Träume anfühlen. Gedanken, die nachhallen. Geschichten, die fragen, was bleibt.
Ich schreibe, weil Worte manchmal näher an der Wahrheit sind als das, was wir sehen.
Meine Geschichten bewegen sich zwischen dystopischer Klarheit und traumhafter Unschärfe. Ich liebe das Unerklärliche – und die Momente, in denen Sprache plötzlich etwas sichtbar macht, das vorher nur Gefühl war.
Wenn du zwischen den Zeilen gern wanderst: Willkommen. Du findest hier Kurzgeschichten, Auszüge und Arbeitsversionen meiner Romane.
Besuch
„Nein. Ich bin froh, dass du hier bist.“
Sie lachte, kurz und rau, und schnippte die Zigarette in den Garten. „Na, endlich sagst du mal was Vernünftiges.“
Wir blieben dort, bis die Nacht ganz hereingebrochen war, und der Himmel sich in ein Schwarz verwandelte, das tiefer war als alles, was ich je in der Stadt gesehen hatte. Claire sprach nicht mehr, und ich auch nicht. Manchmal war das die beste Art, miteinander zu reden.
Vielleicht
„Vielleicht bleiben wir doch“, sagte ich irgendwann, als wir beide auf der Couch saßen, der Hund zu unseren Füßen.
„Vielleicht“, sagte sie, und ihre Stimme klang genauso müde wie der Himmel draußen aussah.
Und dann war da wieder diese Stille, die so typisch für Moguéran war, so dicht und schwer, dass sie sich wie ein weiteres Möbelstück anfühlte, ein Teil des Hauses, der nicht verschwinden würde, egal, wie lange wir blieben.
Ruhige und friedliche Tage am Meer
„Das kommt auf uns an.“
Wir redeten nicht mehr viel an diesem Abend. Der Hund schlief irgendwann ein, und die Sterne kamen heraus, einer nach dem anderen, bis der Himmel aussah wie ein Netz aus Lichtpunkten.
Ich wusste nicht, wie lange wir bleiben würden, oder ob es das Richtige war, überhaupt hier zu sein. Aber in diesem Moment – in der Stille des Hauses, mit dem Meer im Hintergrund und Marie, die so nahe war, dass ich ihren Atem hören konnte – fühlte es sich fast so an, als wäre es genug.
Das Weiße Haus
„Ich bleibe erst mal hier“, sagte sie schließlich.
„Wie lange?“
„Bis ich es weiß.“
„Was?“
„Ob ich bleiben will.“
Ich nickte. Mehr gab es dazu nicht zu sagen.
Und während ich ihr zusah, wie sie im letzten Licht des Tages im Garten stand, konnte ich nicht sagen, ob ich wollte, dass sie bleibt, oder dass sie geht. Vielleicht beides. Vielleicht nichts davon.
Das Haus
„Ich bleibe nicht lange“, sagte sie, fast entschuldigend. „Das tust du nie.“ „Vielleicht komme ich wieder.“ „Vielleicht.“ Sie ging zur Tür, der Hund hob den Kopf, ließ ihn aber gleich wieder sinken, als hätte er schon genug von all dem. Ich stand da, sagte nichts, sah zu, wie sie verschwand, genau wie damals, nur anders. Und plötzlich fühlte sich das Haus noch kleiner an.
Marie ist wieder da
„Lass uns gehen“, sagte Marie plötzlich.
„Wohin?“
„Irgendwohin.“
„Das ist keine Antwort.“
„Doch, ist sie.“
Ich folgte ihr, weil das alles war, was ich tun konnte. Der Hund lief neben ihr her, als hätte er sie immer gekannt. Und ich fragte mich, ob das, was sie sagte, wahr war – dass man nie aufhören sollte. Aber wenn das so war, warum hatte sie dann aufgehört, bei mir zu bleiben?
Claire
Die Wellen kamen immer näher, die Flut stieg. Es wurde kälter, die Dunkelheit kroch von den Rändern des Himmels heran. Ich blieb stehen, sah hinaus auf das Meer, das immer dasselbe tat, egal, was um es herum geschah.
Vielleicht hatte Clair recht. Vielleicht kam Marie nicht zurück. Aber es war immer noch dieses „Vielleicht“, das hängen blieb, das mich weiter an den Strand trieb, Tag für Tag.
Ich steckte die Hände tief in die Taschen, rief den Hund zu mir. Zeit, zurückzugehen. Die Nacht würde bald kommen, und mit ihr die Stille, die ich nie loswurde.
Mit Claire
Marie war hier gewesen. Heute Morgen. Vielleicht würde sie morgen wiederkommen. Vielleicht würde sie bleiben.
Oder vielleicht auch nicht.
Ich schob die Hände tiefer in die Taschen, zog die Schultern hoch. Der Regen wurde wieder stärker, und ich lief weiter. Immer geradeaus.







