Tagebuch der Unrast

Zwischen Dämmerung und Papier entstehen meine Welten
Romane, die sich wie Träume anfühlen. Gedanken, die nachhallen. Geschichten, die fragen, was bleibt.
Ich schreibe, weil Worte manchmal näher an der Wahrheit sind als das, was wir sehen.
Meine Geschichten bewegen sich zwischen dystopischer Klarheit und traumhafter Unschärfe. Ich liebe das Unerklärliche – und die Momente, in denen Sprache plötzlich etwas sichtbar macht, das vorher nur Gefühl war.
Wenn du zwischen den Zeilen gern wanderst: Willkommen. Du findest hier Kurzgeschichten, Auszüge und Arbeitsversionen meiner Romane.
Die schwimmende Stadt
Der Plastikmüll unter meinen Füßen knirscht wie zerbrochenes Glas. Ich halte den Atem an, als eine Welle gegen den Ponton schlägt und das ölverschmierte Wasser durch die Ritzen zwischen den Flaschen, Styroporbrocken und zerfetzten Fischernetzen drückt. Der Horizont ist ein einziger glitzernder Teppich aus Abfall, der sich bis zum verschwommenen Rand der Welt erstreckt. Miami. Oder das, was davon übrig ist.
Die Membran der Zeit
Ich stehe vor dem Spiegel, aber er reflektiert nicht. Stattdessen pulsiert seine Oberfläche wie eine lebende Membran, schwingt im Rhythmus eines fremden Herzschlags. Meine Finger berühren das Glas – oder was auch immer es jetzt ist – und die Kälte kriecht durch meine Haut, infiltriert meine Knochen mit kristallinen Strukturen aus gefrorenem Licht.
Bernadette
Bernadette. Ihr Name vibriert in der Luft wie der Nachhall einer vergessenen Melodie. Sie trägt ein schwarzes Kleid, das im dämmrigen Licht wie Tinte zu fließen scheint, abgetragen an den Säumen, aber von einer zeitlosen Eleganz. Ihre dunklen Haare fallen ihr in widerspenstigen Wellen über die Schultern, und diese eine störrische Strähne – sie wird zu meiner liebsten Ablenkung werden – tanzt immer wieder vor ihren Augen.
La Maison rose
La Maison Rose duckt sich unter mir wie ein verblasstes Bonbon zwischen den grauen Häuserfassaden. Seine abgeblätterte rosa Farbe erinnert mich an die Zuckerguss-Torten meiner Großmutter – süß und ein bisschen aus der Zeit gefallen.
Aus „Die Farben von Montmartre“
Demnächst bei Amazon.
Juliette
Sie sitzt am Fenster, das Morgenlicht fängt sich in ihrem Haar. Ihre Mappe liegt aufgeklappt vor ihr, darin Skizzen in aggressiven Rot- und Schwarztönen, die wie offene Wunden wirken. Als sich unsere Blicke treffen, spüre ich ein leichtes Zittern in der Magengrube. Ihre Augen sind dunkel wie der Espresso vor ihr, aber da ist ein goldener Schimmer darin, wenn das Licht sie richtig trifft.
Epilog
Ich stand auf und ging zurück zum Haus. Der Hund folgte mir, ohne zu fragen.
Das Haus war leer. Und irgendwie war ich es auch. Aber vielleicht war das okay. Vielleicht musste man leer werden, bevor man etwas Neues füllen konnte. Ich schloss die Tür, ließ den Schlüssel auf den Tisch fallen und wusste, dass ich irgendwann gehen würde. Nur nicht heute. Heute gehörte mir.
Fin
Als sie später ging, ließ sie ihren Schlüssel auf dem Tisch liegen. Keine Worte, kein Abschied. Nur die Schritte, die leiser wurden, bis ich nichts mehr hörte. Draußen bellte der Hund, und ich blieb stehen, die Hände in den Taschen, unfähig, etwas zu tun. Etwas zu sagen.
Die Nacht zog sich hin. Ich saß auf dem Sofa, das Glas Wein in der Hand, und wartete darauf, dass irgendetwas passierte. Dass sie zurückkam. Dass Claire anrief. Dass ich aufwachte und feststellte, dass alles nur ein schlechter Traum war.
Aber nichts passierte. Nur die Stille. Und der Geruch von Lavendel, der in der Luft hing, lange nachdem sie gegangen war.
Morgen kommt Marie zurück
Später, als ich allein im Bett lag, roch ich noch immer nach ihr. Der Wind wehte durch das offene Fenster, und ich starrte in die Dunkelheit, die wie ein schwarzes Loch alles zu verschlingen schien. Ich dachte an Marie, an ihren Geruch nach Lavendel und an ihre ruhige Stimme, die mich immer geerdet hatte. Und ich dachte an Claire, an ihren Sturm und ihre Augen, die mich wie ein Rätsel ansahen, das sie längst gelöst hatte.
Ich schloss die Augen, aber der Schlaf kam nicht.







