Montmartre, ein Dienstagabend

Der Regen hat gerade aufgehört. Ich stehe hier, am Rand dieses schmalen Pflasters, und sehe zu, wie das Licht die Straße aufsaugt. Es ist dieses schmutzige, goldene Leuchten, das nur alte Pariser Cafés hinkriegen. Ein warmer, fast schon unverschämter Schein, der sich in den nassen Steinen spiegelt und alles doppelt so tief macht.

Die Tische draußen sind noch feucht, die Rattanstühle stehen schief, als hätte man sie gerade erst in Sicherheit gebracht. Ein paar Tropfen fallen noch von der Markise, plock, plock, ein leiser Rhythmus, der gegen den Lärm in meinem Kopf ankämpft.

Ich bin der Beobachter, wie immer. Mein Blick saugt die Szene ein: die drei Gestalten da vorne, die in die Dämmerung hineingehen, Rucksäcke auf den Schultern. Sie reden nicht, sie marschieren. Wahrscheinlich Touristen, die den letzten Blick auf die Kuppel erhaschen wollen, die da hinten, majestätisch und blassblau, über den Dächern thront. Die Sacré-Cœur, der große, stumme Zeuge.

Der Geruch. Das ist das Beste. Eine Mischung aus nassem Stein, altem Kaffee und dieser schweren, süßlichen Note von Crêpes, die irgendwo in der Nähe brutzeln. Es riecht nach Paris, nach einem Versprechen, das nie ganz eingelöst wird, aber immer noch in der Luft liegt.

Ich ziehe den Kragen hoch. Die Kälte kriecht langsam vom Boden in meine Knochen, aber die Wärme, die aus den großen Fenstern des Bistros quillt, hält mich fest. Drinnen sehe ich verschwommene Silhouetten, das Klirren von Gläsern, ein kurzes, lautes Lachen. Es ist eng, es ist laut, es ist Leben.

Ich könnte reingehen. Mich an einen dieser kleinen, runden Tische setzen, einen Café crème bestellen und so tun, als würde ich auf jemanden warten. Aber ich bleibe stehen. Ich mag diesen Moment kurz davor, dieses Innehalten. Die Stille, die sich nach dem Regen über die Gasse legt, ist eine Art Schutzschild.

Ich bin allein, ja. Aber ich bin nicht einsam. Ich habe diese Szene, dieses Licht, diesen Geruch. Und die Gewissheit, dass ich morgen früh wieder hier sein werde, wenn die Stadt erwacht, um das nächste Kapitel zu beobachten. Das ist genug. Das ist mein Geschäft. Und jetzt, jetzt gehe ich. Die nassen Steine knirschen leise unter meinen Sohlen. Ein letzter Blick auf das goldene Fenster, dann verschluckt mich die Dunkelheit.

Roter Faden auf grauem Asphalt

Roter Faden auf grauem Asphalt

Ich stehe. Muss ich sagen. Die Füße sind schwer, der Asphalt zieht die Kälte hoch. Es ist diese Art von Licht, die alles grau macht, selbst das...

Neon-Atem

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Ich stehe. Der Moment ist ein feuchter, kalter Film, der auf meiner Haut klebt. Es ist still, diese Art von Stille, die nur eine Millionenstadt um...

Salz auf der Zunge

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Es ist die unerbittliche, warme Täuschung dieser Lichter, die mich in die unendliche Weite des Nichts zurückwirft, ein Nichts, das nicht die...

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