Der Motor schnurrt leise, ein tiefes, gleichmäßiges Brummen, das mich seit Stunden begleitet. Ich sehe ihre Füße. Sie liegen da, auf dem Armaturenbrett, nackt, die Zehen leicht gespreizt, der Nagellack ein sattes, fast unverschämtes Kirschrot. Ein kleiner, goldener Ring steckt am zweiten Zeh des rechten Fußes. Es ist so eine typische Geste von ihr, diese Lässigkeit, die jede Konvention ignoriert.
Die Sonne steht tief, ein gleißendes Orange, das durch die schmutzige Windschutzscheibe bricht und die feinen Härchen auf ihren Waden in ein helles Gold taucht. Es riecht nach warmem Kunststoff, nach dem Staub der Straße und ganz subtil nach dem Lavendel, den sie sich vorhin in die Haare gesteckt hat. Ein Duft, der sofort nach Süden, nach Freiheit schmeckt.
Der Wagen schluckt die Kilometer. Die Sonne ist jetzt nur noch ein orangefarbener Streifen im Rückspiegel. Sie rührt sich, zieht die Füße vom Armaturenbrett, lässt sie mit einem dumpfen Plop auf den Fußraum fallen.
„Du starrst.“ Ihre Stimme ist rau, noch vom Schlaf belegt.
Ich zucke die Schultern, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. „Warst du wach?“
„Genug.“ Sie nestelt an der Dose mit den Salzstangen, die zwischen den Sitzen liegt. „Wie lange noch bis zu diesem Kaff?“
„Saint-Malo? Noch zwei Stunden, wenn du nicht wieder auf die Idee kommst, dass wir anhalten müssen, weil du einen Brunnen fotografieren willst.“
Sie lacht kurz, ein trockenes Geräusch. „Du bist so ein Miesepeter, Alex.“
„Ich bin realistisch. Und ich fahre.“
„Und ich sorge für die Atmosphäre.“ Sie legt ihre Hand auf meinen Oberschenkel, ein leichtes, aber bestimmtes Gewicht. Ihre Haut ist warm. „Oder was dachtest du, warum ich meine Füße da oben hatte? War doch ein gutes Bild, oder?“
„Ein gutes Bild“, gebe ich zu. „Aber du hast den Ring vergessen. Der ist neu.“
Sie zieht die Hand weg, fast zu schnell. „Ist er nicht. Und selbst wenn. Was soll’s?“
„Nichts. Nur, dass ich dachte, ich kenne alle deine Ringe.“
Stille. Nur das Rauschen der Reifen.
„Du kennst nicht alle meine Ringe“, sagt sie schließlich, leise. „Und du kennst auch nicht alle meine Ziele.“
Ich nicke. „Schon klar. Aber wir fahren trotzdem nach Saint-Malo.“
„Ja“, sagt sie. „Wir fahren nach Saint-Malo.“ Sie greift wieder nach den Salzstangen. „Mach die Musik lauter.










