Emily

Sie bemerkt mich erst, als ich nur noch etwa zwanzig Meter entfernt bin. Hebt den Kopf, schirmt die Augen mit der Hand ab. Dann winkt sie kurz, so ein halbes Heben der Hand. Ich winke zurück, fühle mich plötzlich verlegen. Was mache ich hier eigentlich?

„Guten Morgen“, ruft sie rüber. Ihre Stimme ist klar, trägt über das Rauschen der Wellen.

„Morgen“, antworte ich, gehe jetzt doch näher. Sie richtet sich auf, ist kleiner, als ich dachte. Vielleicht einen Meter sechzig, aber mit einer gewissen Präsenz, die sie größer wirken lässt. Ihr Gesicht ist schmal, hat hohe Wangenknochen, die im Morgenlicht scharf gezeichnet sind. Keine klassische Schönheit, aber interessant. Ihre Augen sind sehr hell, fast grau.

„Frühaufsteher?“, fragt sie und lächelt leicht. Ein zurückhaltendes Lächeln, das ihre Augen nicht ganz erreicht.

„Jetlag“, antworte ich. „Und Sie? Strandgut sammeln?“

Sie hebt ein durchsichtiges Röhrchen mit etwas, das wie Wasser aussieht. „Wasserproben. Teil meiner Arbeit.“

„Sie sind Wissenschaftlerin?“

„Meeresbiologin beim lokalen Forschungszentrum.“ Sie streckt mir die Hand entgegen. Sie trägt dünne Laborhandschuhe, die nass glänzen. „Emily Richardson.“

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