Ich bin wieder unterwegs. Muss ich ja. Die Straße hier, die ist aus altem, nassem Pflasterstein. Sie glänzt schwarz, schluckt das wenige Licht, das durch diesen dicken, grauen Himmel sickert. Es ist nicht viel Regen, eher so ein feiner, kalter Sprühnebel, der sich überall festsetzt. Ich ziehe den Kragen meines Mantels hoch, obwohl es eh nichts bringt. Der Stoff ist schon durch, saugt die Feuchtigkeit auf wie ein alter Schwamm.
Der Schirm über mir ist nur ein schwarzer Kreis in der Nebelwand. Er hält das Schlimmste ab, aber die Kälte kriecht trotzdem an den Handgelenken hoch. Ich höre nur das leise, nasse Schlürfen meiner Schritte auf dem Stein. Sonst nichts. Keine Autos, keine Stimmen, kein Scheiß. Nur die Stille, die hier zwischen den Gräbern wohnt.
Links von mir, da stehen sie, die Grabsteine. Schief, moosbewachsen, manche mit Kreuzen, manche nur noch dunkle, namenlose Blöcke. Die Kirche dahinter, der Turm, das ist alles nur noch eine Silhouette im Dunst. Sieht aus wie eine Festung, die aufgegeben wurde. Die Toten haben hier mehr Platz als die Lebenden. Ist immer so.
Ich atme tief ein. Es riecht nach feuchter Erde, nach altem Stein und nach diesem einen, letzten Herbstblatt, das noch am Baum links hängt. Braunrot, fast schon schwarz. Es wird bald fallen. Alles fällt irgendwann.
Ich gehe weiter, den Blick geradeaus. Vor mir liegt dieses Eisentor, halb verborgen im Nebel. Es ist der einzige Weg raus, oder rein, je nachdem, wie man es sieht. Ich bin oft allein unterwegs. War schon immer so. Es ist keine Wahl, es ist einfach der Zustand. Und hier, zwischen den Mauern und den Toten, ist die Einsamkeit wenigstens ehrlich. Sie tut nicht weh, sie ist nur da.
Die Steingebäude rechts, die sind hoch und dunkel. Fenster wie leere Augenhöhlen. Sie beobachten mich nicht, sie sind einfach nur alt. Ich bin ein kleiner, dunkler Fleck auf diesem nassen, glänzenden Weg. Ein Punkt, der sich langsam in den Nebel hineinbewegt. Ich fühle nichts Besonderes, nur die Schwere des Mantels und die Gewissheit, dass ich diesen Weg gehen muss. Schritt für Schritt. Immer weiter. Das ist alles, was zählt. Der Rest ist Dunst.










