Die Luft schmeckt nach verrosteten Pennys und vergessenen Versprechen. Es ist der Geschmack der Realität in dieser Stadt, ein metallischer, beißender Nachgeschmack, der sich in die Zunge frisst wie Säure in ein altes Negativ. Ich stehe im Schatten, wo der Beton noch die Kälte der letzten Nacht speichert, und sehe zu, wie die Stadt atmet. Es ist kein Atemzug des Lebens, sondern das Röcheln eines sterbenden Giganten, ein dumpfes, tiefes Grollen, das aus den Abwasserkanälen aufsteigt und sich in den tiefen Fugen der Straße verfängt.
Die Gebäude sind keine Strukturen mehr; sie sind Skelette, die sich in den Himmel bohren, ihre Fensterhöhlen starren mich an wie die leeren Augenhöhlen eines Verräters, der seinen letzten Blick auf die Sonne geworfen hat. Die Fassaden sind von einer Schicht aus Ruß und Resignation überzogen, die dicker ist als jede Farbe. Der Beton weint. Nicht Wasser, sondern eine ölige, schmutzige Feuchtigkeit, die die Mauern hinunterläuft und den Asphalt mit einem Film aus toxischer Melancholie überzieht. Jede Ecke, jede Fuge ist ein offener Schnitt, aus dem der Eiter des Verfalls sickert, und die Stadt ist zu müde, um die Wunden zu schließen. Ich höre das leise Knistern der Stahlträger, die sich unter der Last ihrer eigenen Sinnlosigkeit beugen. Es ist das Geräusch der Geschichte, die sich selbst korrodiert.
Der Boden ist ein Friedhof der Mobilität. Zu meiner Linken und Rechten türmen sich die Wracks der alten Welt, Autos, die unter Bergen von schwarzem, öligem Unrat begraben liegen. Es sind keine Müllhaufen, es sind Monumente der Entfremdung, sorgfältig aufgeschichtet von einer Gesellschaft, die ihre eigenen Werkzeuge des Fortschritts hasste. Die Karosserien sind zerdrückt, ihre Chromteile sind blind geworden, und aus den Ritzen quillt eine Masse aus Federn, Ruß und dem, was ich nur als die physische Manifestation des verlorenen Traumes bezeichnen kann. Es riecht nach Moder, nach faulendem Gummi und nach dem süßlichen, ekelhaften Geruch von zu lange aufbewahrter Hoffnung, die nun in der Sonne dieser kranken Welt zerfließt. Ich trete auf eine zerbrochene Windschutzscheibe; das Geräusch ist ein scharfer, kurzer Schrei, der sofort von der alles verschlingenden Stille geschluckt wird.
Und dann ist da der Schwarm.
Er ist das Herzstück dieser Straße, ein pulsierender, schwarzer Tumor, der sich in den Himmel frisst. Tausende von Krähen, oder was auch immer diese geflügelten Schatten sind, wirbeln in einer Manie, die keine Logik kennt. Sie sind der Lärm der Stadt, ein unaufhörliches, kratzendes Kreischen, das die Stille nicht bricht, sondern sie in eine Million scharfe Splitter zerreißt. Ihre Flügel schlagen nicht, sie peitschen die Luft, und jedes Geräusch ist ein Schlag gegen das Trommelfell meiner Vernunft. Es ist der Klang der kollektiven Angst, die sich in eine ornithologische Hysterie verwandelt hat. Sie tanzen den Tanz des Endes, ein unheilvolles Ballett aus Schatten und Staub.
Ich sehe, wie einzelne Vögel aus der Masse herausfallen, taumeln und auf den Asphalt prallen, wo sie sofort von der Masse des Unrats verschluckt werden. Sie sind die Gedanken, die man nicht festhalten kann, die Ideen, die in dieser toxischen Atmosphäre keinen Halt finden. Sie sind die letzten Fetzen von Bedeutung, die diese Stadt noch produzieren konnte, und selbst sie sind zum Absturz verurteilt.
Am Ende der Straße, dort, wo die Hochhäuser sich zu einem schmalen Spalt verengen, brennt das Licht. Es ist kein Sonnenlicht, kein Neon. Es ist ein überbelichteter, weißer Schleier, der die Szene mit einer falschen, fiebrigen Helligkeit überzieht. Es ist das Versprechen der Erlösung, das man mir seit Jahren verkauft, aber ich weiß, dass es nur die Eiterbeule ist, die sich entzündet hat. Es ist das Licht, das nicht wärmt, sondern blendet, das die Konturen der Realität auflöst und sie durch eine schmerzhafte, unerträgliche Leere ersetzt. Es ist die Lüge, die so hell strahlt, dass sie die Wahrheit verbrennt.
Ich mache einen Schritt vorwärts. Der Asphalt unter meinen Füßen ist klebrig, eine Mischung aus Öl, Regen und dem Blut der zerplatzten Illusionen. Der Schwarm reagiert. Er verdichtet sich, als würde er mich warnen, als wäre er der Wächter am Tor zur absoluten Leere. Ein einzelner Vogel stürzt herab, seine Augen sind zwei winzige, schwarze Spiegel, die nur meine eigene Hoffnungslosigkeit reflektieren.
Ich atme tief ein, und der Geschmack von Rost und Versprechen wird intensiver. Die Stadt ist nicht tot; sie ist ein Organismus, der sich von seinem eigenen Verfall ernährt. Sie ist eine Maschine der Melancholie, die unaufhörlich ihre eigenen Trümmer recycelt. Und ich, ich bin nur ein winziger, unwichtiger Blutkörper in ihrem kranken Kreislauf, ein Beobachter, dessen einziger Zweck es ist, die Schönheit des Untergangs zu bezeugen.
Wenn die Hoffnung in dieser Welt nur ein Geräusch ist, das dem unaufhörlichen Flügelschlag Tausender toter Vögel ähnelt, und das Ziel nur ein blendender, toxischer Fleck am Horizont – bin ich dann noch auf der Suche, oder warte ich nur darauf, dass der Schwarm mich endlich verschluckt und meine Existenz in das kollektive, schwarze Nichts integriert?










