Der Himmel blutet keinen Regen mehr, nur noch eine zähe, ölige Schwärze, die sich wie ein Leichentuch über die Adern dieser sterbenden Stadt legt. Ich stehe hier, eine Silhouette im endlosen Dämmerlicht, und atme den Geschmack von nassem Asphalt, rostigem Eisen und der süßlichen Fäulnis verglühender Schaltkreise. Jeder Atemzug ist ein Schluck aus dem vergifteten Kelch, den diese Metropole jedem an die Lippen presst, der töricht genug ist, noch zu fühlen.
Die Stadt ist ein Kadaver, durch den noch immer die letzten Zuckungen elektrischer Impulse jagen. Neonreklamen, deren Farben wie offene Wunden in der Dunkelheit pulsieren, versprechen eine „ZUKUNFT AUS SCHROTT“ und preisen „VERLORENE SEELEN“ an, als wären sie nur eine weitere Ware in den schmutzigen Auslagen der Nacht. Ihre Lichter spiegeln sich in den Pfützen auf dem geborstenen Asphalt, zerbrochene Versprechen, die in den öligen Schlieren tanzen wie die Geister ertrunkener Träume. Über mir, auf den Drähten, die sich wie die Sehnen eines monströsen, verendeten Tieres zwischen den Häuserschluchten spannen, hocken die Krähen – schwarze, reglose Punkte in der grauen Unendlichkeit, stumme Zeugen unseres kollektiven Verfalls. Sie warten. Sie warten immer.
Die Menschen, die an mir vorüberziehen, sind keine Menschen mehr. Es sind Automaten aus Fleisch und Knochen, ihre Bewegungen ruckartig und fremdgesteuert, ihre Gesichter leere Masken, auf denen das flackernde Licht der Bildschirme die Illusion von Leben malt. Ihre Augen sind blinde Linsen, die durch mich hindurchsehen, fixiert auf ein Nichts, das nur sie zu erkennen scheinen. Wir sind Echos in einer Halle aus Beton und Glas, gefangen im statischen Rauschen einer kaputten Übertragung, unsere Identitäten so brüchig wie das Spinnennetz aus Rissen in einer Fensterscheibe, hinter der niemand mehr wohnt. Manchmal, wenn der Wind den Smog für einen Augenblick zerreißt, glaube ich, in den spiegelnden Fassaden der Wolkenkratzer nicht mein eigenes Gesicht zu sehen, sondern eine verzerrte Fratze, ein kosmisches Grauen, das sich an der Realität sattfrisst und uns alle verdaut.
Ich ziehe den Kragen meines Mantels enger, eine vergebliche Geste gegen die Kälte, die nicht von außen kommt, sondern aus dem Inneren kriecht, aus den Hohlräumen meiner eigenen Existenz. Die Zeit selbst ist hier zu einem zähen Brei geronnen, Sekunden dehnen sich zu Ewigkeiten, während Jahre im flackernden Stroboskop einer defekten Reklame vergehen. Ein Graffiti an einer Mauer schreit mir entgegen: „ROST & EISEN MASCHINE“. Es ist das Kredo dieser Welt, das Gesetz, nach dem unsere Herzen aus Metall schlagen, bis sie endgültig erstarren. Und doch, tief unter dem Lärm, unter dem Gestank und der allgegenwärtigen Verzweiflung, spüre ich ihn manchmal – einen kaum wahrnehmbaren Puls. Ein leises, trotziges Pochen in den Eingeweiden der Stadt, ein Flüstern in den Rissen der Realität, das andeutet, dass selbst im tiefsten Abgrund noch etwas atmet. Vielleicht ist es nur der letzte Herzschlag eines sterbenden Gottes. Oder vielleicht ist es meiner.










