Die Stufen von Montmartre

Die Stufen sind nass. Ein feiner, kaum sichtbarer Nieselregen hat sich über die Stadt gelegt, der die Lichter der Laternen in lange, zitternde Streifen auf dem Stein zerfließen lässt. Es riecht nach feuchtem Asphalt und dem süßlichen Duft von nassem Laub, der aus irgendeinem Hinterhof herüberweht. Ein typischer Abend.

Ich stehe hier unten und schaue die Treppe hinauf. Ein gelber Lichtkegel nach dem anderen, wie eine Kette aus Perlen, die sich den Hang hinaufzieht. Die Luft ist kühl, aber nicht kalt. Sie hat diese seltsame Weichheit, die nur solche Abende haben, an denen der Tag noch nicht ganz gehen will und die Nacht noch zögert. Ich ziehe den Rauch meiner Zigarette ein, der Geschmack von Tabak mischt sich mit der feuchten Luft. Ein kurzer, herber Genuss.

Kein Mensch ist zu sehen. Nur das leise Summen der Laternen und das ferne Rauschen des Verkehrs, das wie das Atmen der Stadt klingt. Ich mag diese Momente. Diese Stille, die keine wirkliche Stille ist. Es ist, als würde man den Herzschlag von allem spüren. Die Wände der Häuser neben mir sind rau und uneben, der Putz bröckelt an manchen Stellen. Eine schwarze Regenrinne schlängelt sich wie eine dunkle Ader an der Fassade entlang. Alles hat seine Geschichte, seine Narben.

Oben, wo die Treppe endet, zeichnen sich die kahlen Äste der Bäume gegen den milchigen Himmel ab. Wie ein feines, schwarzes Netz. Es hat etwas Trostloses und gleichzeitig Schönes. Ein Versprechen auf den nächsten Frühling, das noch in weiter Ferne liegt. Ich stoße den Rauch langsam aus, beobachte, wie er sich im Licht der nächsten Laterne kräuselt und dann im Dunkel verschwindet.

Ein Fensterladen klappert leise im Wind. Ein kurzes, trockenes Geräusch, das die Stille nur noch tiefer macht. Ich drücke die Zigarette an der feuchten Wand aus und lasse den Stummel in meine Tasche gleiten. Kein Grund, hier Müll zu hinterlassen. Es ist ein Ort, der seinen Frieden verdient hat.

Ich könnte jetzt weitergehen. Die Stufen nehmen, eine nach der anderen, und sehen, was oben ist. Aber ich bleibe noch einen Moment stehen. Einfach nur dastehen und schauen. Ein Beobachter, der selbst Teil der Szene wird. Ein Schatten zwischen den Lichtern. Es ist nicht viel, aber für heute Nacht ist es genug.

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