Fliegen über Fliegen

Die Welt roch nach heißem Metall und abgestandenem Fett, einem ungesunden Cocktail aus Schmutz und Eile, wie er nur entstehen konnte, wenn niemand mehr genug Zeit hatte, selbst für den Zerfall. Überall Fliegen – ein Heer aus schimmernd schwarzen Leibern, deren Flügelschlag das Dröhnen eines kaputten Generators imitierte, monoton, gleichgültig, aber irgendwie auch unvermeidlich. Sie krochen über die Gesichter der Passanten, als wären diese nicht mehr als zerfallende Landschaften aus Haut und porösen Knochen, zerbrechlich und schutzlos unter der Sonne, die in dieser Stunde tief stand und sich weigerte, gnädigen Schatten zu spenden.

Ich schwitzte. Aber das tat jeder. Es war nicht einmal bemerkenswert, nur ein weiterer Datenpunkt in dieser absurd heißen Stadt, in der selbst die Elektronik zu stöhnen schien – Automaten, die nur noch halbe Wörter auf ihre rissigen Bildschirme spuckten, als hätten sie beschlossen, dass die Sprache ebenso sinnlos geworden war wie alles andere.

Unter meinen Füßen knirschten Scherben, ein altbekannter Soundtrack: zerbrochene Bierflaschen, Kunststoffsplitter, die Überreste eines Handys, das vielleicht einmal das Zentrum eines Lebens gewesen war. Ich stellte mir vor, wie es aus einer Hand gerissen und gegen die Wand geschleudert wurde, Wut, Frustration, oder nur eine plötzliche Abwesenheit von Bedeutung. Vielleicht war niemand mehr da, der es erklären konnte.

Die Fliegen schienen zuzunehmen, je weiter ich ging. Es war, als folgten sie einer Choreografie, einer Art synchronem Tanz, den ich nicht verstand, und vielleicht lag genau darin ihre Macht. Sie wussten etwas – über uns, über diese Stadt, über die Zukunft –, und sie hielten es für sich.

Eine Mülltonne lag auf der Seite, der Deckel schief wie ein Hut auf einem toten Mann, und ich musste stehen bleiben, starrte auf die organische Explosion, die sich darunter ausgebreitet hatte. Essensreste, Papierfetzen, ein Teddy ohne Kopf. Der Gestank war wie eine physische Präsenz, die mir die Kehle zudrückte, und ich dachte kurz daran, mich zu übergeben, tat es aber nicht. Nicht hier, nicht vor den Fliegen.

Eine Katze – abgemagert, mit struppigem Fell und einem Auge, das milchig war wie ein geborstener Bildschirm – kauerte daneben. Ihre Bewegungen waren hektisch, fast panisch, als würde sie gegen eine Uhr kämpfen, die niemand sehen konnte. Aber die Fliegen ließen ihr keine Chance. Sie waren überall, ein undurchdringlicher Schleier aus kleinen Körpern, die summten und krochen, sich an Fell und Haut klammerten, bis die Katze zitterte und verschwand, als hätte sie sich selbst aufgelöst.

Ich ging weiter, obwohl ich nicht wusste, warum. Es gab keinen Ort, zu dem ich wollte, und keinen Grund, dort anzukommen. Die Straßen sahen alle gleich aus, eine monotone Wüste aus Beton und Graffiti, die langsam von Moos und Schimmel zurückerobert wurden. Irgendwo in der Ferne hörte ich eine Sirene, langgezogen und klagend, als wüsste sie, dass niemand mehr kam.

Ein Mann, kaum mehr als ein Schatten in einem zu großen Mantel, stand an einer Hauswand und kritzelte mit einem abgebrochenen Stück Kohle. Ich konnte die Worte nicht lesen – ein Gemisch aus Symbolen, Pfeilen und Buchstaben, die nur in seinem Kopf Sinn ergaben. Er drehte sich nicht um, als ich näherkam, sprach auch nicht, aber ich war mir sicher, dass er mich bemerkte. Es war unmöglich, sich in dieser Stadt zu bewegen, ohne bemerkt zu werden, und sei es nur von den Fliegen.

Sein Gemurmel – leise, wie der Wind durch ein zerbrochenes Fenster – begleitete mich, während ich weiterging, bis ich es nicht mehr hören konnte. Vielleicht war er ein Prophet, dachte ich. Einer dieser selbsternannten Prediger, die die Apokalypse verkündeten, während die Welt längst im Stillstand begriffen war.

Die Uhr tickte. Ich wusste nicht, welche Uhr – vielleicht eine in meinem Kopf, oder die auf einem der Hochhaustürme, deren Zifferblätter blind und leer, wie die Gesichter der Leute um mich herum waren. Aber ich konnte sie hören, laut und unerbittlich.

Ein Kind, nicht älter als acht vielleicht, saß auf der Treppe eines verlassenen Gebäudes und hielt etwas in den Händen – eine Puppe, dachte ich zuerst, doch als ich näherkam, sah ich, dass es nur ein Bündel aus Lumpen war, das sie mit einer zärtlichen Präzision wickelte, als sei es das Kostbarste auf der Welt. Ihre Augen trafen meine, und für einen Moment war alles still. Keine Fliegen, kein Summen, kein Wind.

Dann drehte sie sich um und verschwand im Inneren des Gebäudes, das so aussah, als würde es bei der nächsten Bö zusammenbrechen. Ich wollte ihr nachrufen, aber was hätte ich sagen sollen?

Die Zeit schien sich zu dehnen, auszufransen, zu reißen. Die Straßen verschwammen, das Licht wurde zu einem grellen, diffusen Nebel, in dem alles gleichzeitig existierte und nichts von Bedeutung war.

Ich blieb stehen, die Fliegen um mich herum wie eine pulsierende Aura, und sah hinauf zu den Ruinen der Stadt, den zerfurchten Fassaden, den gebrochenen Fenstern, den kahlen Bäumen, die sich wie verdorrte Finger gegen den Himmel reckten. Alles wirkte so endgültig, so unendlich still, und doch summte die Luft weiter, trug das Echo von Stimmen, die längst verstummt waren.

Eine Frage formte sich in meinem Kopf, ein Wort, das ich kaum auszusprechen wagte. Es hatte etwas mit Hoffnung zu tun, oder mit ihrem Gegenteil, aber bevor ich es greifen konnte, war es verschwunden, verschluckt von dem Brummen, das mich wie eine Decke umhüllte.

Ich stand da, bewegungslos, während die Fliegen tanzten.

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